NEURODERMITIS: Was tun, wenn’s juckt?

Aktualisiert: 22. Dez 2020


Tipps & Tricks - Wie du dich auf die nächste Juckreiz-Attacke bei deinem Kind vorbereiten kannst



Jede Nacht wirst du von deinem schreienden Kind aus dem Schlaf gerissen….


Du taumelst schlaftrunken in das Kinderzimmer und siehst bzw. hörst, wie sich dein Kind aufgrund der Neurodermitis kratzt und es weint - herzzerreißend.


Im Schlaf kratzt es sich ganz hemmungslos und verletzt sich dadurch selbst. Keime dringen ein. Die Wunden eitern, jucken und der Juckreiz-Kratz-Kreislauf beginnt von vorne.



Was bei uns richtig gut funktioniert, wenn eine neue Juckreiz-Attacke los geht


  • Berühren: Das Kind trösten, in den Arm nehmen, sanft über die juckenden Hautstellen streichen oder blasen, eventuell nochmal nachcremen. Auch ein feuchtes Tuch kann hilfreich sein, die betroffenen Stellen damit vorsichtig abzutupfen.


  • Ablenken: Die Aufmerksamkeit des Kindes auf etwas anderes lenken, z.B. eine Geschichte erzählen/vorlesen, Hörbuch aufdrehen, basteln, Dinge tun, die das Kind liebt.


  • Reden: über den Tag: Was war heute toll? Aber auch über Ängste und Situationen, die dein Kind möglicherweise stressen - z. B. wie hast du heute die Situation X empfunden? Redet über eure Gefühle, sei ehrlich mit deinem Kind - es ist okay, wenn du selbst mal schlecht drauf bist oder traurig oder verzweifelt. Du kannst deinem Kind sowieso nichts vormachen, denn es spürt genau, wie es dir geht. Dadurch schickst du keine verwirrenden Botschaften, die dein Kind noch zusätzlich Angst machen oder Stress erzeugen, aus.


  • Entspannen: Achtsamkeitsübungen, Meditation, Atemtechniken, Yoga - es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Möglichkeiten bewusst zu entspannen und runter zu kommen. Natürlich hängt es stark vom Alter deines Kindes ab, wann du damit beginnen kannst, jedoch ist es eine großartige Möglichkeit, seinen Körper besser wahr zu nehmen und sich selbst besser kennen und lieben zu lernen.



Tu das nicht bei Juckreiz-Attacken


  • Schimpfen: Egal wie anstrengend dein Tag war und wie genervt und müde du bist, schimpf’ nicht mit deinem Kind. Es kratzt nicht, um dir etwas „zu Fleiß zu machen“. Dein Kind kratzt, weil es juckt. Punkt.


  • Baby-Fäustlinge: Ich bin kein Freund von diesen Neurodermitis-Baby-Fäustlingen, die verhindern sollen, dass sich die Kinder wund kratzen. Klingt ja vielversprechend und funktioniert wahrscheinlich auch. Ich stelle es mir trotzdem furchtbar vor: Es juckt dich und du kommst zwar hin mit deinen Händen, aber kratzen kannst du vergessen.


  • Zucker: Bei uns war es einer der Auslöser, je mehr Süßes mein Sohn konsumiert hatte (- Ich sage nur: Kindergeburtstage!), desto schlimmer hat es ihn abends gequält. Als er älter wurde, verstand er das auch ganz schnell selbst und mied Süßes, ganz besonders während eines Schubes.


  • Schlafkleidung, die schlecht sitzt, sich verdreht und hinauf rutscht: Wichtig ist, dass das Gefühl auf der Haut angenehm ist. Deshalb fing ich an, selbst Pyjamas für meine Kinder zu nähen. Mittlerweile nähen Profis in der Steiermark unsere pajama-day Hosen, damit noch mehr Kinder von den Wohlfühl-Pyjamahosen profitieren können. Neugierig? Dann schaut doch im Shop vorbei!




Wie uns ein Schlafritual bei Juckreiz-Attacken hilft


Jahrelang konnten wir beobachten, dass besonders abends beim Schlafengehen der Juckreiz übermächtig wurde. Ich hatte oft das Gefühl, dass dieses Zur-Ruhe-Kommen alles, was über den Tag so geschehen war, in ihm hochbrachte und er es so loszuwerden versuchte.


Dann cremten wir unseren Sohn ein. Versuchten seine Hände liebevoll vom Kratzen abzuhalten. Bei unserem Sohn half es immer, dass wir (mein Mann Peter und ich) das sanfte Kratzen - mehr ein Streicheln - übernahmen. Es stellte sich schnell heraus, dass Peter der bessere Kratzer von uns beiden war. Ich kuschelte mit unserem Sohn und las ihm ganz viel vor.


Oft redeten wir viel über alles mögliche und unmögliche, erzählten Geschichten, lasen vor oder hörten gemeinsam eines seiner Lieblingshörbücher.



Gemeinsam die Juckreiz-Attacken meistern


Wichtig ist es, gemeinsam diese schlimmen Juckreizimpulse zu meistern und so diese fordernden Momente in positive gemeinsame Zeit zu verwandeln. Das schafft Vertrauen, bedingungslose Liebe und ganz viel Nähe.


Für mich persönlich ist es immer am Allerschlimmsten nicht zu wissen, wie man helfen kann.

Mit diesem Blogartikel will ich dir einige Möglichkeiten aufzeigen, wie wir mit Juckreiz-Attacken bei unserem Kind umgehen. Ich hoffe, dass vielleicht der eine oder andere Impuls dabei ist, der dir und deinem Kind weiterhilft.


Teile gerne auch deine Erfahrungen und Ideen mit mir. Ich freue mich, zu hören wie ihr mit diesem Juckreiz-Kratz-Kreislauf umgeht.


Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe,


Karin

TIPP: Ein Haut-Tagebuch kann helfen, verschiedene Faktoren, die zu Juckreiz-Attacken und Schüben führen, zu identifizieren. Notiere alles, was dein Kind isst, was den Tag über passiert ist, wer dein Kind betreut hat, ob es Streit gegeben hat usw. Mit diesem Haut-Tagebuch kannst du mögliche Ursachen für Juckreiz-Attacken bei deinem Kind erkennen und dann gezielt dort ansetzen.


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